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"Harmlos wie Spülmittel" sei das massenhaft gegen die Ölpest eingesetzte Corexit, so BP. Der US-Senat sieht das anders: Die Chemikalie darf nicht mehr verwendet werden. Es existieren weniger giftige und zugleich wirksamere Mittel. Also warum hatte sich BP überhaupt für Corexit entschieden?
Von Ralph Sina, WDR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: BP-Manager Dudley verteidigt den Einsatz von Corexit. ]
Nicht giftig, biologisch abbaubar und damit ökologisch unbedenklich sei die Chemie, mit der BP die Ölpest im Golf von Mexiko bisher bekämpft habe, behauptet BP-Manager Bob Dudley. Das Ölbekämpfungsmittel erfülle seinen Zweck, so der Manager gegenüber dem Fernsehsender CNN.
2,2 Millionen Liter "Corexit 9500 A" hat der Konzern bisher mit Hilfe von "Herkules"-Transportflugzeugen über der Wasseroberfläche versprüht. Und zum ersten Mal bei Ölkatastrophen wurde das Schwesterprodukt "Corexit 9527A" unter Wasser eingesetzt. Mehr als 308.000 Liter der Chemikalie schossen Unterwasserroboter auf die Lecks am Meeresgrund.
Auf den Einwand von Meeresbiologen, die Nebenwirkungen einer derart intensiven Corexit-Anwendung unter und über Wasser seien völlig unerforscht, gab Dudley gegenüber CNN zwar zu, dass man mit einer derart großen Menge noch keine Erfahrung gemacht habe. "Das sei aber nicht weiter schlimm. Schließlich sei Corexit im Prinzip so harmlos wie ein Spülmittel, welches den Ölfilm in kleine Teile aufspalte." Die kleineren Bestandteile könnten dann von Mikroorganismen vertilgt werden, so Dudley.
Dass bestimmte Corexit-Zusammensetzungen im BP-Heimatland Großbritannien seit zehn Jahren zur Ölbekämpfung verboten sind, verschwieg der Manager der amerikanischen Öffentlichkeit.
BP versuche um jeden Preis, mit viel Chemie den Ölteppich unter Wasser zu drücken und unsichtbar zu machen, protestierten US-Meereswissenschaftler und Fischer. Corexit sei eindeutig "giftiges Zeug", welches Fischen und Korallen massiv schade und in die Nahrungskette gelange, warnte Professor Rick Steiner. Der Meereswissenschaftler berät bei Ölkatastrophen die UNO.
Angesichts der heftigen Proteste zog die US-Umweltbehörde EPA die Notbremse und gab dem Ölkonzern jetzt 24 Stunden Zeit, sich für weniger toxische Mittel zu entscheiden.
"Wenn es bessere Mittel gibt, werden wir sie natürlich einsetzen", gab sich BP- Amerika-Chef Lamar McKay einsichtig. Allerdings sei er gar nicht darüber im Bilde, ob effektivere Mittel existierten, sagte er vor einem Untersuchungsausschuss des US-Senats.
Da waren selbst die Senatoren besser im Bilde als der BP-Experte: Sie nannten dem Fachmann gleich zehn Ölbekämpfungsmittel, die deutlich weniger giftig und zugleich deutlich wirksamer seien, als das massenhaft eingesetzte Corexit.
[Bildunterschrift: Corexit soll Bilder wie diese verhindern - eine Greenpeace-Aktivistin am Mississippi. ]
"Die beiden Corexit-Präparate hätten aus BP-Sicht einen Vorteil", verteidigte sich BP-Manager Dudley. Sein Konzern habe große Mengen davon eingelagert und habe sie deshalb sofort gegen die Ölpest einsetzen können.
Die Corexit-Vorliebe des britischen Mineralölkonzerns ist kein Zufall: BP sitzt im Aufsichtsrat des Corexit-Produzenten Nalco. Gleich zu Beginn der Ölpest kaufte BP dessen Corexit-Gesamtbestand auf. Nalcos Aktienkurs schoss mittlerweile um zehn Prozent in die Höhe.
Durch die "Deepwater Horizon"-Katastrophe hat Nalco bereits 40 Millionen Dollar Umsatz gemacht - dank der über zwei Millionen Liter Corexit, die mittlerweile im Golf von Mexiko schwimmen.
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