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Der gescheiterte Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist neuer SPD-Fraktionschef im Bundestag. Zwei Tage nach dem Debakel bei der Bundestagswahl wurde er von der neuen SPD-Fraktion zum Nachfolger von Peter Struck gewählt. Steinmeier erhielt 88,7 Prozent der Stimmen.
Parteivorsitzender soll nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios hingegen jemand anders werden. Der bisherige Vorsitzende Franz Müntefering hatte gestern angedeutet, er stehe nach dem Parteitag im November nicht mehr für das Amt zur Verfügung. Als Favorit für seine Nachfolge gilt der bisherige Umweltminister Sigmar Gabriel.
Seine Generalsekretärin soll nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios wahrscheinlich die Parteilinke Andrea Nahles werden. Der derzeitige Generalsekretär Hubertus Heil erklärte bereits, er stelle sein Amt zur Verfügung. Der bisherige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird ebenfalls nicht mehr als stellvertretender Parteivorsitzender kandidieren. Er verabschiede sich damit aus der "ersten und zweiten Reihe" der Bundespolitik und mache Platz für Nachwuchskräfte, sagte Steinbrück.
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Gabriel wird in der SPD der Gruppe der pragmatischen "Netzwerker" zugerechnet. Nahles gilt als Vertreterin der Parteilinken. Zuvor hatten prominente Vertreter sowohl des linken und wie auch des rechten Flügels der SPD eine personelle Erneuerung gefordert und sich dagegen ausgesprochen, dass Steinmeier neben dem Fraktionsvorsitz auch die Parteiführung übernimmt.
[Bildunterschrift: Andrea Nahles, bisher eine der stellvertretenden Parteivorsitzenden, soll Generalsekretärin werden. ]
"Das sollte man keinem Menschen zumuten, beide Aufgaben gleichzeitig zu übernehmen", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, der Sprecher des konservativ orientierten "Seeheimer Kreises", im Deutschlandfunk.
Auch der SPD-Linke Ottmar Schreiner, Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, sagte im ARD-Morgenmagazin: "Wir haben eine Reihe auch von jüngeren Kräften, die jetzt dringendst gefordert sind, Führungsverantwortung wahrzunehmen." Schreiner nannte als Gründe für die Wahlverluste der SPD ausdrücklich Schwachstellen der Agenda 2010. Die Position der SPD zu Hartz IV und Ein-Euro-Jobs sei ein Grund dafür, dass die SPD seit Jahren Probleme habe, bei den Wählern anzukommen. Dies müsse nun grundsätzlich diskutiert werden.
"Die SPD könnte diejenigen nach vorne bringen, die in der Lage sind, programmatische Alternativen zu entwickeln", meinte der Sprecher der Parteilinken, Björn Böhning. Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben. Böhning kritisierte, die SPD sei zuletzt offensichtlich "nicht sozialdemokratisch genug" gewesen. Ihr schwaches Abschneiden bei der Wahl trotz einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung für sozialdemokratische Inhalte wie einen Mindestlohn offenbare eine Kluft zwischen Partei und Wählern, die geschlossen werden müsse.
Kahrs, Schreiner und Böhning vermieden es, Namen für mögliche Kandidaten zu nennen. Der Berliner Landesvorsitzende Michael Müller nannte im RBB-Inforadio "vier oder fünf Personen", die für eine Erneuerung der Sozialdemokraten stünden. Dazu gehörten seiner Ansicht nach neben Gabriel und Nahles der bisherige Bundesarbeitsminister Olaf Scholz sowie Klaus Wowereit, der Regierende Bürgermeister von Berlin.
| Sigmar Gabriel | seit 2009 |
| Franz Müntefering | 2008 bis 2009 |
| Kurt Beck | 2006 bis 2008 |
| Matthias Platzeck | 2005 bis 2006 | Franz Müntefering | 2004 bis 2005 |
| Gerhard Schröder | 1999 bis 2004 |
| Oskar Lafontaine | 1995 bis 1999 |
| Rudolf Scharping | 1993 bis 1995 |
| Björn Engholm | 1991 bis 1993 |
| Hans-Jochen Vogel | 1987 bis 1991 |
| Willy Brandt | 1964 bis 1987 |
| Erich Ollenhauer | 1952 bis 1963 |
| Kurt Schumacher | 1946 bis 1952 |
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